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  Haens.el und Gret.el
Multimedia ante portas

 Haens.el und Gret.el

 

 

 

Es war einmal das Freakpaar Supervisor und Overgame, das war so arm, dass es sich nur eine einzige e-mail-Adresse (ichbin@cent.look) leisten konnte. In ihrem Chatroom lebten zwei Kinder, Chatter Haens.el und Chatterin Gret.el. Eines Tages, als die Not am größten war, weil sie alle Level ihrer Games geschafft hatten und überall und immer Haens.el und Gret.el an der Spitze der TOP THIRTEEN standen, sprachen Supervisor und Overgame: "Haens.el und Gret.el, geht auf alle Homepages und seht, dass ihr neue Spiele findet. Und maildet euch erst zurück, wenn ihr dreizehn Top-Spiele gefunden habt."
Da loggten sich die beiden ein und surften los. Um aber den Weg zurück zu finden, hinterließen sie auf jeder besuchten Website ein Banner mit Lebkuchenwerbung. Sie suchten in buhnet.de, in spider.web und noch vielen anderen, aber erst auf robert-t-kocher.narr fanden sie, was sie suchten. Und da die Lebkuchenbanner noch blinkten, entstiegen sie abends erschöpft, aber glücklich ihrer heimischen Mehlbox.
Da herrschte eitel Freude in ihrem Chat, und alle hatten wieder Level zu knacken. Nicht lange jedoch, da standen sie alle wieder allein in den TOP THIRTEEN, und vorn immer Haens.el und Gret.el, und wieder herrschte große Not.
Wiederum sprachen Supervisor und Overgame: "Haens.el und Gret.el, geht auf alle Homepages und seht, dass ihr neue Spiele findet. Und maildet euch erst zurück, wenn ihr wieder dreizehn nigelnagelneue Top-Spiele gefunden habt."
Wieder loggten sich Haens.el und Gret.el ein und surften los. Da Windows98® aber die Lebkuchenbanner von der Festplatte gelöscht hatte, hinterließen sie diesmal auf jeder besuchten Website tanzende grüne Pixel. Als sie jedoch am Abend mit nur dürftiger Ausbeute wieder heimwollten, mussten sie feststellen, dass Supervisor ihre e-mail-Adresse gelöscht hatte. So halfen auch die tanzenden Pixel nicht mehr. Verzweifelt surften Haens.el und Gret.el weiter und immer weiter, tiefer und immer tiefer ins Internet hinein, die Background-jpg's wurden immer finsterer, allein sie fanden nicht home. Plötzlich, als sie schon an Systemfehler und Out Of Range glaubten, sahen sie eine Website, auf der Tausende von Games und Bonusleveln einladend blinkten. Es war @mosphere.gau. Da konnten sie sich nicht sattsehen und auch nicht widerstehen und begannen ein paar Spiele zu packen. Doch kaum hatten sie den Download begonnen, erschien Webmaster und smste: "This Site is gebührenpflichtig." Da mochte Haens.el noch so sehr bitten und betteln , Gret.el musste mit Ents@zen zusehen, wie Webmaster Haens.el vereinnahmte und im Werbehimmel als leuchtenden gewonnenen Kunden präsentierte. Täglich nun wurde Haens.el mit noch leuchtenderen Farben und Effekten gefüttert, und Webmaster sprach: "Wenn die Zugriffe den Counter sprengen, dann versteigere ich dich bei Soth-e-buy."
Gret.el konnte nur untätig und hilflos Surfer zählen, die den Counter in die Höhe trieben. Als dieser sich auch in der vordersten, der vierundzwanzigsten Stelle, zu verändern begann, hatte sie tief im RAM eine Idee. Heimlich bastelte sie ein kleines, unscheinbares Programm, verschlüsselte es mehrfach mit RSA bis zur Unkenntlichkeit und brachte ein paar Verzierungen an, bis es aussah wie fruehstuecksei@morning. Unter diesem Namen schmuggelte sie das Programm auch in die Webmaster-Kundenmailbox. Als Webmaster darauf zugriff, wurde fruehstuecksei@morning aktiv. "Ei Hack Ju" brannte es als übergroße Laufschrift auf den Monitor, dann infizierte es alle Games, Level und Dateien, so dass sie sich alle auflösten, nicht ohne jedes Mal ein Stück von @mosphere.gau zu löschen. Ei Hack Ju schluckte alle herumliegenden Bits und Bytes, bis nur noch Haens.el und Gret.el übrig blieben. Dann dividierte Ei Hack Ju sich by Zero, wobei Windows2000® entstand.

Haens.el und Gret.el aber waren von Stund an wieder chatbereit. Und weil sie als Erste einen Kamikaze-Virus entwickelt hatten, waren CCC, DENIC und ICANN sehr stolz auf sie. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann dürfen sie noch heute überall frei chatten, e-mailen und überall @home sein.

©buhMM

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Nachdem sich die Welt um mich herum unübersehbar verändert hatte und selbst die Kaufhauskassen eigene Bildschirmschoner zeigten, dämmerte mir langsam, dass ich, wollte ich nicht als C64-er über Bord gehen, meine Arbeit umfassend revolutionieren müsste. Ich bin Lehrer für Mathematik, von einem Berufe also, den schon Pythagoras von Samos so ausübte wie wir heute. Im Mathematikunterricht der letzten 100 Jahre hat es nur zwei Veränderungen gegeben: Laisser-faire ist als Form der Disziplin allgemein anerkannt, und das Eintrichtern elementarer Weisheiten zu Zins- und Bruchrechnung wurde ersetzt durch drei Stunden mit den Themen
" Der Taschenrechner als Naturgesetz",
" Der Taschenrechner als Urform mathematischen Denkens" 
und
" Der Computer als Taschenrechner".
Meinen Kindern verdankte ich den Besitz eines Penti-Umrechners samt einiger Anhängsel, die sie als veraltet mir überlassen hatten. Ich stellte fest, dass in meiner Schule ähnliche Geräte zur Nutzung herumstanden, so dass ich eine Idee bekam: Ich beschloss, der Weißheit der Kreide zu entsagen und eine Multimedia-Unterrichtseinheit zu schaffen, von der noch Generationen als "Aufbruch in ein neues Zeitalter des pädagogischen Informationstransfers" sprechen sollten, mindestens aber eine, die den Schulrat bei der nächsten Begutachtung begeistern sollte. Für dieses ehrgeizige Ziel plante ich die erste Woche der Sommerferien ein.

Zunächst klärte ich für mich den Begriff Multimedia. Ich las zwei Fachzeitschriften, informierte mich in einer Online-Buchhandlung und ließ mir danach von meinen Kindern erklären, was ich nicht verstanden hatte; also was Multimedia ist und was man dafür benötigt.

Anschließend erwarb ich das Paket "Super Point plus" mit diversen Extras, die "Tools" genannt wurden. Meine Tochter brachte alles auf der Festplatte unter; das Paket brauchte ich ja auch noch in der Schule.

Jetzt ging ich ans Werk: Als Thema hatte ich mir "Rotationskörpervolumina und Integration" ausgesucht, da man dort wohl viele schöne Effekte einbauen könnte. Vorbereitet hatte ich zwei Filme voller Fotos, diverse Zeichnungen in Trickfilmart (alles eingescannt) und eine CD voller verschiedenster Geräusche. Auch an ein Mikro hatte ich gedacht.

Ich startete also "Super Point plus" mit den diversen Tools, wurde von einer freundlichen Stimme mit "Willkommen" begrüßt und erlebte staunend, wie sich 17 Fenster öffneten und überlagerten, wie Bilder aus dem Nichts erschienen und hin- und hersprangen, Schriften wuchsen und sich verfärbten, alles begleitet von einer Geräuschkulisse, in der ich Beethoven, Dieter Bohlen und etwas Punk zu erkennen glaubte. Dann wurde alles ein farbensprühender Tornado, der nahtlos überging in  ein Fenster mit einem hüpfenden Pinsel, der grinste, mit den Augen zwinkerte und sprach:" Erster Tipp: Das alles können Sie auch! Einfaches Drag&Drop, Click&Save und BackUntilReboot macht Sie in Sekunden zum Multimedia-Champ! Nächster Tipp? Abbrechen? Nochmal?"

Das war stark! Wenn der Pinsel mit meinen Augen und meiner Stimme - und ich hatte ja auch das Mikro! In diesem Moment gab es einen leisen Piepton, das Bild verschwand und der Computer startete neu. Nach Scandisk vermisste ich mein Hintergrundbild. Beim zweiten Start von "Super Point plus" erschien nur noch ein weißes Blatt, umrahmt von grauen Buttons, die einen etwas abgenutzten Eindruck machten. Den Pinsel sah ich nie wieder, mein Hintergrundbild übrigens auch nicht.

Jetzt ging es los: Mit dem Handbuch in der Hand (wo sonst, es ist ja kein Taschenbuch) platzierte ich ein schönes Foto von mir (böse Zungen behaupten, es gäbe nur schöne FOTOS von mir), legte etwas Schrift darunter und fügte von der CD einen Klang (Verkehrsunfall, ein anderer ließ sich nicht einfügen) hinzu. Die Schrift sollte eigentlich über das Bild, aber nach sieben Stunden konnte ich das Handbuch nicht mehr halten; außerdem tränten mir sowieso die Augen; es war also egal.

Am nächsten Tag nach dem Frühstück ging es weiter. Beim Start von "Super Point plus" fiel mir auf, dass mich am vergangenen Abend niemand, schon gar nicht der Pinsel, nach "Speichern" gefragt hatte. Also begann ich von vorn.

Bis zum Mittag hatte ich zwei Seiten geschaffen: mein Startbild (wieder) und eine Seite, auf der ein Rotationskörper (eine Mehrwegflasche) zu sehen war. Diesmal speicherte ich von ganz allein, was aber bei "Super Point plus" scheinbar nicht vorgesehen war. Nach 13 Abfragen der Art "Jetzt speichern?", Wirklich JETZT speichern?","Jetzt wirklich SPEICHERN?" und "So schön isses doch gar nicht!" hatte ich auch das vollbracht. 

Nach dem Mittagessen verbrachte ich den Nachmittag damit, meine Datei zu suchen, die sich eigenartigerweise im e-mail-Ordner unter "Trash" befand.

Ich will jetzt niemanden langweilen, deshalb nur kurz: Nach den Sommerferien hatte ich eine wunderbare Multimediashow mit insgesamt fünf verschiedenen Seiten hergestellt. Sogar ein kleines Feuerwerk (mit Ton!) und eine Laufschrift 
Wir danken allen Beteiligten und Ihnen für die Aufmerksamkeit. 
 war mir gelungen.

In den sechs Wochen hatte ich einiges geleistet: Neben der Show hatte ich herausgefunden, wozu die Tools gut waren. Tools sind Werkzeuge, mit denen man alles auf einmal wieder rückgängig machen kann, auch wenn es einem gefällt. Die Erklärung für den Namen meines Rechners (Pentium) fand sich interessanterweise in "Super Point plus"-Handbuch. Rechner werden, so las ich staunend, nach ihrer Bewertung bei der Endkontrolle bezeichnet. Außerdem habe Fehlermeldungen meines Computers gesehen, von denen ich nie geahnt hätte, dass es sie gibt: "Kein Diskettenlaufwerk gefunden. Legen Sie die Diskette mit der Aufschrift A:\ ein." oder "Zuwenig freier Speicherplatz; bitte halten Sie Papier und Stift bereit." Außerdem hatte ich fünf Kilo abgenommen. Meine Festplatte kenne ich jetzt auswendig, weil meine Show bei jedem Speichern den Ort wechselte. Der Scanner begrüßt mich jetzt mit "Willkommen", und mein Drucker zwinkert ständig mit seinen Anzeigen. 

Aber egal - meine Show stand. Sie umfasste 71,4 Megabyte und passte somit nicht ganz auf eine Diskette. Also schickte ich sie mir selbst per e-mail an meine Schuladresse.

Am ersten Schultag stürzte ich erwartungsfroh nach der Belehrungsstunde an den Computer. Die e-mail war da! Und auch der Anhang - meine Show! Der Anhang war 12 KB groß. Beim Starten der Multimediashow wurde der Bildschirm schwarz, und die Pinselstimme ertönte:" Nächster Tipp? Abbrechen? Nochmal?"

Da habe ich mir beim Hausmeister ein Paket Kreide geholt.

©buhMM

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